Gattung Phratora (Phyllodecta Kirby)

ColeopteraPhytophagaChrysomelidaeChrysomelinae
Von Arved Lompe (n. K.-H. Mohr, H. Kippenberg, A. Warchalowski)
Palmén, E. (1945): Zur Systematik finnischer Chrysomeliden 2. - Ann. entom. Fennici 11, 196-203.
Köpf, A. (1996): Ecology and evolution of host plant use and larval secretions in the leaf beetle genus Phratora (Coleoptera: Chrysomelidae) - Dissertation submitted to the Swiss Federal Institute of Technology (Diss ETH No. 11742) >>>"Koepf1996 phratora.pdf"
Die Arten dieser Gattung sind entweder auf Weiden und/oder Pappeln (Salicaceae) oder auf Birken (Betulaceae) spezialisiert. Bei der Beurteilung der Klauen sollten nur die der Vordertarsen verglichen werden, da die Zähnchen an den hinteren Beinpaaren kleiner sind.
Eine weitere, mir unbekannte Art ist in der 'Fauna Europaea' für Griechenland und das ehemalige Jugoslawien aufgeführt; von Warchalowsky (2010) nicht erwähnt. ...antennaria (Apfelbeck, 1912)
#1
vulgatissima (L., 1758)Halsschildbasis sehr fein gerandet. Der 7. Zwischenraum der Flügeldecken in der Mitte leicht eingedrückt und nach außen auf dem 8. Zwischenraum durch eine kielartige Falte begrenzt [Abb. 1]; Fühlerglied 2 und 3 von fast gleicher Länge, Glied 4 bis 6 unterseits mit einem Büschel aufgerichteter Haare, die besonders bei den ♂ gut zu erkennen sind [Abb. 2]. Körper länglich [Abb. 3], meist blau, oft grünmetallisch, kupferig-violett oder schwarz; Basisteil der Klauen breit, mit deutlichem Zähnchen [Abb. 4]. ♂: Glied 1 der Vordertarsen breiter als das 3. [Abb. 5]. Aedoeagus [Abb. 6]. 4-5 mm. IV-X. Ganz Europa. An verschiedenen Salix-Arten. Untergattung Chaeroceta Mroczkowski
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Abb. 1
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Abb. 2
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Abb. 3
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Abb. 4
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Abb. 5
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Abb. 6
→ 2-Halsschildbasis ungerandet. Flügeldecken ohne kielartige Falte. Fühlerglied 2 meist kürzer als 3, die folgenden ohne Haarbüschel [Abb. 7]. Untergattung Phratora s.str. Das Längenverhältnis zwischen 2. und 3. Fühlerglied ist etwas variabel; es finden sich bei den hierher gehörenden Arten vereinzelt Exemplare mit fast gleichlangem 2. und 3. Fühlerglied.
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Abb. 7
#2
tibialis (Suffr., 1851)Tarsenglied 1 bei den ♂ stark erweitert, ungefähr so breit wie das 3., die schmalen Klauenglieder bei beiden Geschlechtern weit über die Lappen des 3. Gliedes hinausgezogen [Abb. 8], die Klauen sind wie bei den folgenden Arten an der Basis gezähnt, nur sind die Zähnchen eher klein und nicht nach unten abgespreizt [Abb. 9]. Glied 1 der Hintertarsen beim ♀ doppelt so lang wie 2, beim ♂ so breit wie 3; Körper länglich [Abb. 10], oberseits grün-metallisch oder bronzen, seltener bläulich. Schienen und Tarsen rötlich oder auch vollkommen schwarz. Aedoeagus [Abb. 11] und [Abb. 12]. 4,8-5,6 mm. III und VI-VIII. Mitteleuropa, südliches Nordeuropa. An Salix. Meldungen und Funde von Betula sind auf polaris zu prüfen (siehe LZ >>>6). Nach Köpf (l.c.) gab es in der Entwicklungsgeschichte der Gruppe mit dem breitesten Wirtsspektrum innerhalb der Weidenfresser (tibialis/polaris-Klade) einen radikalen Wirtswechsel von Weiden auf Birken. Sowohl die DNA-Sequenzinformation wie auch die Ergebnisse aus Verhaltenstests legen eine taxonomische Neugruppierung der Arten tibialis und polaris nahe. Anscheinend bilden die weidenfressenden Populationen beider Arten eine Art (tibialis), von der die birkenfressenden Populationen (polaris) klar getrennt sind.
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Abb. 8
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Abb. 9
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Abb. 10
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Abb. 11
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Abb. 12
→ 3-Tarsenglied 1 der ♂ weniger erweitert, deutlich schmaler als das 3., Basisteil der schwarzen oder gelben Klauen breiter und mit einem spitzen Zähnchen versehen [Abb. 13]; Glied 1 der Hintertarsen beim ♀ höchstens 1,5 mal länger als 2, beim ♂ meist viel schmaler als das 3., ausnahmsweise bei polaris auch gleichbreit; Schienen dunkel.
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Abb. 13
#3
laticollis (Suffr., 1851)Stirn zwischen den Fühlern deutlich ausgehöhlt, mit 2 vorragenden Beulen [Abb. 14]. Fühler verhältnismäßig lang, beim ♂ die Körpermitte etwas überragend; Halsschild ziemlich flach, vor der Mitte am breitesten; Flügeldecken etwas kürzer als bei tibialis, ziemlich regelmäßig und kräftig punktiert; Färbung blau oder grünlich; Beine schwarz [Abb. 15]. Klauen mit relativ stumpfen Zahn [Abb. 16]. Aedoeagus [Abb. 17] [Abb. 18]. 3,5-5 mm. V-IX. Europa. An verschiedenen Salix- und Populus-Arten.
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Abb. 14
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Abb. 15
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Abb. 16
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Abb. 17
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Abb. 18
→ 4-Stirn flach oder nur schwach eingedrückt mit einem kleinen Grübchen in der Mitte des Vorderrands [Abb. 19]; Fühler der ♂ nicht die Mitte des Körpers erreichend, beim ♀ noch kürzer.
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Abb. 19
#4
atrovirens (Corn., 1857)Klauen mit ziemlich kurzem, nicht nach unten abgespreiztem Zahn [Abb. 20], Klauenglieder sehr kurz, vorletztes Tarsenglied auffallend stark verbreitert [Abb. 21]; Halsschild relativ flach, vor der Mitte am breitesten [Abb. 22], fein punktiert; Färbung dunkelgrün oder metallisch blau. Aedoeagus [Abb. 23] (Von Palmén 1945 wird der Aedoeagus wie bei (a) abgebildet; Verwechselung?). 3-4 mm. IV-VIII. Nord- und Mitteleuropa. An Zittelpappel (Populus tremula). Bei Warchalowski (2010) sind die Aedoeagus-Abbildungen von atrovirens und vitellinae vertauscht. Siehe auch die Abbildungen von Borowiec [Abb. 24] [Abb. 25].
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Abb. 20
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Abb. 21
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Abb. 22
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Abb. 23
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Abb. 24
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Abb. 25
→ 5-Klauen mit längerem Basiszahn [Abb. 26], Klauenglieder länger, das vorletzte schmäler.
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Abb. 26
#5
vitellinae (L., 1758)In so ziemlich der ganzen Paläarktis und auch in Mitteleuropa weit verbreitete Art. Seiten des Halsschilds hinten oft parallel oder vor der Basis leicht eingezogen, zumeist aber von der Basis nach vorn schwach verengt [Abb. 27], Flügeldecken an den Seiten weniger regelmäßig punktiert, mit schwachen Schulterbeulen; Färbung metallisch bronzen [Abb. 28], kupfern oder bläulich, selten schwarz. Aedoeagus [Abb. 29]; nach Borowiec [Abb. 25]. 3,5-5 mm. V-IX. Europa. An verschiedenen Salix- und Populus-Arten.
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Abb. 27
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Abb. 28
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Abb. 29
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Abb. 25
→ 6-Wenig verbreitete Arten aus den Alpen, Nordeuropa, Sibirien und Kleinasien.
#6
polaris (Schneid., 1886) leederi Steinhausen, 1993Boroealpine Art. Halsschild stark gewölbt, etwas hinter der Mitte oder in der Mitte am breitesten [Abb. 30], Stirn ohne Längsvertiefung; von vitellinae nur durch Genitaluntersuchung der ♂ sicher zu trennen, jedoch mit tibialis nahe verwandt und durch den Wechsel auf eine andere Wirtspflanze getrennt. Palaeoboreale Art, bisher von Sibirien über Ost-Fennoskandien, Nord- und Mittelskandinavien bis Island und aus den Alpen gemeldet; bei Beachtung der Wirtspflanzen vielleicht auch andernorts nachzuweisen. Der Aedoeagus ist von der Seite gesehen an der Spitze deutlich breiter als der von tibialis, von oben gesehen sind die Seiten deutlich stärker eingezogen [Abb. 31] [Abb. 32]. Mit 3,5-4 mm ist diese Art deutlich kleiner als tibialis oder vitellinae. An Betula pubescens, auch andere ?. Für die in den Alpen lebende Form von polaris (Schneid.) wurde eine eigene Rasse aufgestellt. Während polaris s.str. äußerlich stark atrovirens ähnelt - sie unterscheidet sich von ihr durch das nicht auffällig verbreiterte 3.Tarsenglied, das etwas längere Klauenglied und seine zwar kleinen, aber spitzig nach unten weisenden Klauenzähnchen - ist die Alpenrasse im Mittel deutlich größer (bis ca. 5 mm) und ähnelt äußerlich sowie im Aedoeagus tibialis [Abb. 11]; sie ist von dieser Art verschieden durch das stärker abgespreizte Klauenzähnchen, durch die Tarsenbildung [Abb. 33] sowie durch das Aedoeagusinnere und die Aedoeagusseitensicht; die seitliche Krümmung der Aedoeagusspitze kann für beide Arten gleich sein. ssp.
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Abb. 30
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Abb. 31
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Abb. 32
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Abb. 11
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Abb. 33
horioni (Mohr, 1968)-Art aus Kleinasien und dem Kaukasus. Aedoeagus [Abb. 34].
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Abb. 34
Enthaltene Taxaatrovirens horioni laticollis leederi polaris tibialis vitellinae vulgatissima
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