Anmerkung zur
fungi-Gruppe: Nach Benick & Lohse ist unter dem Namen
'fungi' vermutlich ein Komplex zahlreicher Arten zusammengefaßt. Da der Aedoeagus keine markanten Trennungsmerkmale aufweist, stützt sich diese Auffassung auf die vielgestaltige Form der Spermatheka, die sonst bei den allermeisten
Atheta-Arten sehr einheitlich gebaut ist. Es läßt sich aber feststellen, daß auch innerhalb geschlossener
fungi-Populationen große Verschiedenheiten im Bau dieses Organs vorkommen können, ohne daß ektoskelettale Unterschiede feststellbar sind. Lohse und Benick haben sich daher darauf beschränkt, hier neben
fungi die in der Literatur (gelegentlich nur als Formen dieser Art) erwähnten Taxa näher abzugrenzen. Die Artberechtigung einiger dieser Formen muß einstweilen zweifelhaft bleiben, da gelegentlich Zwischenformen festzustellen sind. In der Literatur findet sich wiederholt die Angabe, daß
fungi (Grav.) eine parthenogenetische Art ist, von der nur ♀ vorkommen und die angeblichen
fungi ♂ zu
amplicollis (Muls.Rey) gehören. Es gibt zwar (meist synanthrope) Populationen von
fungi, die sich bei Zuchten als parthenogenetisch erweisen, doch besonders im Freiland solche, bei denen auch ♂ vorkommen. Benick & Lohse hielten es für möglich, daß unter dem Namen
fungi 2 Arten zusammengeworfen werden, von denen eine zweigeschlechtlich, die andere parthenogenetisch ist. Die in der Gattung völlig ungewöhnliche Variabilität der Spermatheken beträfe nach ihrer Meinung dann möglicherweise nur die parthenogenetische Form, bei der dieses Organ ja völlig überflüssig ist. Die Gruppe müßte dringend revidiert werden. Die Trennung nach äußeren Merkmalen (Halsschildbreite) korrelliert nicht immer mit der Größe der Spermatheken. Insofern kann ich Benick & Lohse nicht zustimmen, die dieses Merkmal für die Artbestimmung priorisierten ("Die absolute Länge der Spermatheka scheint ein brauchbares Mittel zur Arttrennung zu sein."). Ich habe eine äußerlich typische
fungi mit einer Spermatheka von 380 mµ
[Abb. 25]. Das Größenverhältnis Halsschild zu Flügeldecken ist meines Erachtens ein zuverlässigeres Merkmal als die Größe der Spermatheka. Auch beim ♂ besteht ein Größenunterschied beim Genital zwischen
fungi (~ 350 µm) und
amplicollis (~ 440 µm); Größenverhältnis 1:1,28. Sicheres Trennungsmerkmal ist aber die Form der Spitze, sowohl in dorsaler als auch in lateraler Ansicht
[Abb. 22] [Abb. 29]. Die Innenstrukturen sind je nach Präparationsweise sehr unterschiedlich und sehr schwierig zu beurteilen. Brundin (l.c.) bildet für
fungi 2 Aedoeagi ab, die sich in der Größe unterscheiden: einen kleineren aus Schwedisch-Lappland
[Abb. 32], der vermutlich
fungi ist und einen gößeren aus England
[Abb. 33], der vermutlich
amplicollis ist; Größenverhältnis 1:1,33. (Nach persönlicher Mitteilung von Andrew Duff.) Die Abbildungen von Benick & Lohse sind für einen Größenvergleich nicht brauchbar, da die Größe der Aedoeagi in Lateralansicht und Aufsicht jeweils gegensätzlich verschieden und bei beiden Arten +- gleich groß dargestellt ist; außerdem bezieht sich der Maßstab nur auf die Spermatheken.
M. fungi und
amplicollis können an den gleichen Fundstellen vorkommen.